Gresaubach
Gresaubach heute
Gresaubach zählt mit seinen rund
1869 Einwohnern
zu den größeren Stadtteilen Lebachs. Der Ort war früher
landwirtschaftlich geprägt; im übrigen lebten dort überwiegend Berg-
und Hüttenarbeiter. Derzeit sind die meisten Menschen aus Gresaubach im
Dienstleistungsbereich beschäftigt.
Hervorzuheben ist sicher das rege Vereinsleben.
Immerhin decken über 30 Vereine die unterschiedlichsten Bedürfnisse
nach Freizeitgestaltung ab. Drei Vereine haben sich über die
Stadtgrenzen hinaus einen guten Namen gemacht: der
Musikverein,
der Sportclub mit seiner Verbandsliga-Fußballmannschaft sowie die
Kulturgemeinschaft, die insbesondere durch das alljährliche
Erntedankfest von sich reden machte. Das jährliche Erntedankfest wird
jetzt von der Vereinsgemeinschaft durchgeführt.

Das Gresaubacher Wappen
Das Wappen des Lebacher Stadtteiles
Gresaubach berücksichtigt in seinen Bildern landschaftliche und
kirchliche Gegebenheiten.
Das Dorf Gresaubach entstand wohl in der
zweiten mittelalterlichen Ausbauperiode ab dem achten Jahrhundert, worauf
der letzte Namensbestandteil "-bach" hindeutet. Der Name
Gresaubach wird als "Große Au am Bach" gedeutet. Diese
landschaftliche Lage am Oberlauf des Saubaches, der den Namen der Siedlung
ursprünglich bestimmte, wird im Ortswappen durch den Wellenschnitt als
Teilungslinie im gevierten Schilde Symbolisiert.
Gresaubach gehörte seit der Entwicklung
der Territorien im 12. Jahrhundert zu den Besitzungen der Grafen von
Blieskastel um den Schaumberg, die sie von den Bischöfen von Verdun zu
Lehen trugen. Es handelte sich um die Vogtei über die Abtei Tholey mit
ihren 18 Höfen (Bezirke), von denen um 1200 u.a. Bettingen namentlich
genannt wird. Nach dem Erlöschen des Blieskasteler Grafengeschlechtes im
Mannesstamm 1237 und dem Tode der danach regierenden Gräfin Elisabeth,
die mit Rainald von Bitsch, einem jüngeren Bruder des lothringischen
Herzogs vermählt war, im Jahre 1274 erhob der Herzog von Lothringen
Anspruch auf das Blieskasteler Erbe. Nach dem sich nun anschließenden
sogen. Blieskasteler Erbfolgestreit konnte sich der Lothringer herzog beim
endgültigen Friedensschluss im Jahre 1291 die Schaumburg und die Vogtei
über die Abtei Tholey, aus der sich das Amt Schaumburg entwickelte,
sichern.
Gresaubach gehörte nun innerhalb der
Meierei Bettingen (mit Außen und Goldbach) bis zum Übergang des
Herzogtums an Frankreich im Jahre 1766, also rund 475 Jahre lang, zum
lothringischen Amt Schaumburg. Im 16. Jahrhundert sind alle Gresaubacher
Einwohner Leute des Herzogs und an diesen abgabepflichtig. Den Großen und
Kleinen Zehnten erhalten die Abtei Tholey bzw. die Pfarrkirche in
Bettingen. Nur vorübergehend war das lothringsche Amt Schaumburg
verpfändet, so von 1588 - 1606 an Kurtrier und von 1615 - 1619 an die
Herren von Sötern.
Durch Vertrag von 1786 kommt das Amt
Schaumburg, und damit auch die Meierei Bettingen mit Gresaubach, zu
Pfalz-Zweibrücken, wo es bis zur Französichen Revolution verblieb. Im
Gresaubacher Ortswappen wird die jahrhunderte lange Zugehörigkeit zum
Herzogtum Lothringen durch das Lothringer Doppelkreuz, das auch auf den
Grenzsteinen zu den benachbarten Territorien angebracht wurde,
dargestellt.
Für die Belieferung der Ende des 16.
Jahrhunderts in Dillingen und insbesondere der um 1700 in Bettingen
errichteten Eisenschmelzen mit Rohstoffen wurde vorwiegend auf die
Toneisensteine im Saubachtale zwischen Gresaubach und Rümmelbach sowie
südlich des Greinhofes zurückgegriffen. Das Erz lag in großen Mengen
nesterweise zu Tage und wurde vornehmlich von den einheimischen Bauern im
regellosen Tagebau abgebaut und mit Fuhrwerken über den heute noch
existierenden sogen. Erzweg zu den Eisenschmelzen gefahren.Die damaligen
Abbaufelder südlich von Gresaubach sind heute noch in den sogen.
"Schotten", auf der Karte als "Alberbach-",
"Dörrenbacher-", und "Pfaffenbecher Schütten"
bezeichnet, zu sehen. Die Erinnerung an diesen -neben der Landwirtschaft-
für Gresaubach doch bedeutenden Wirtschaftszweig bis zur Einführung der
lothringischen Minette ist im Wappen durch die Erzgräberwerkzeuge
festgehalten.
Erwähenswert ist in diesem Zusammenhang
noch, dass es seit 1704 in der Pfarrei Bettingen eine Erzgräber -
Bruderschaft gegeben hat, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts
bestand.
Auf die für Gresaubach in früherer Zeit
dominante Landwirtschaft die den Ort bis in die fünfziger Jahre des 19.
Jahrhunderts geprägt hat, weisen die beiden Ähren im Wappen hin.
Der Schäferstab im Wappen steht als
Attribut des hl. Wendalinus für dessen Patrozonium über die alte Kapelle
in Gresaubach. Gresaubach gehörte bis 1907 als Filiale zur in die Abtei
Tholey inkorpierte Pfarrei Bettingen und besass schon sehr früh eine
kleine Kapelle, in der die Dorfbewohner im Advent und während der
Fastenzeit zu eigenen Andachten zusammenkamen.
Die Kapelle wird erstmals in einem
Visitationsbericht vom Jahre 1618 erwähnt, scheint aber in den Wirren des
Dreißigjährigen Krieges zerstört worden zu sein, denn am 27. Juli 1735
verkauften sämtliche Einwohner von Gresaubach der Herzogin von Lothringen
(Madame la Regant) das Wäldchen Groß-Haüs-gen für 380 Livres, um damit
die Kapelle zu reparieren.
Daneben nehmen sie einen Kredit von 50
Solidari bei der Pfarrkirche auf, den sie alle zusammen verbürgen. In den
Visitationsprotokollen der Pfarrkirche sind weitere Renovierungen der
Kapelle für 1782 und 1836 genannt. Um 1880 erhielt die Kapelle eine neue
Glocke und einen Kreuzweg.
Die Kapelle wurde, nachdem im Jahre 1910
die neue Pfarrkirche in Gresaubach erbaut war, abgerissen. Heute erinnert
an die rund 400 Jahre lang bestandene St. Wendalinuskapelle in der
Pfarrkirche ein Seitenaltar mit einer Figur des Heiligen.
Der Name Gresaubach
Aus einer Aufsatzreihe von Stefan
Wild, Salzgitter
Der ursprüngliche Ortsnamen
Auch für Ortsnamen gilt, dass sie oft schrittweise
gewachsen sind und mit ihrer Wurzeln nicht selten bis ins Mittelalter
zurückreichen und mit ihrer Vollendung die Schwelle der Neuzeit
berühren. Diese Feststellung trifft natürlich auch für den Ortsnamen
"Gresaubach" zu. Auch er hat eine lange Entwicklung durchlaufen
und sah zu Beginn der Besiedlung sicher ganz anders aus, als dies heute
der Fall ist.
Der ursprüngliche Name des kleinen Weilers wird in
der Steuerliste von 1519 mit "Subach" angegeben. So wird dieses
kleine Dorf wohl von seinen Anfängen im Hochmittelalter bis ins 16.
Jahrhundert geheißen haben. Vielleicht wurde diese neue Siedlung auch nach
dem Bach benannt, an dessen Ufer sie entstanden ist.
Erst im 16. Jahrhundert erhielt der Ortsname ein
Präfix, das ihn von dem "anderen Saubach", also Niedersaubach
unterscheiden sollte. Dabei hat das Präfix "Gre" im heutigen
Ortsnamen eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Die Bandbreite
dieser Vorsilbe reicht von "Gra-, Ober-, Greun-, Gross-, Greis-,
Grün-, bis zu Gressen- oder Greffensaubach".
Das hier Abschreibfehler und Übersetzungen vom
Französischen ins Deutsche und umgekehrt eine Rolle gespielt haben, liegt
klar auf der Hand. Auch das Bestimmungswort "su" hat sich im
Laufe des 16. Jahrhunderts in das Wort "sau" verändert und
somit wahrscheinlich auch eine Bedeutungsverschiebung erfahren.
Bisherige Deutungen des Ortsnamen
Jeder Ortsname fordert eine
Deutung des Namens heraus. Auch für "Gresaubach" gibt es
sicher mehrere Deutungen. Eine der wohl ältesten wird die
volkstümliche Deutung gewesen sein. Ähnlich wie der Name Michelbach
volkstümlich so gedeutet wurde, dass sich dort ein Römer namens Michel
niedergelassen habe, so lässt sich auch der Name "Gresaubach"
volkstümlich deuten.
Demnach hätte eine frühere Einwohnerin namens
Gret mit ihrem Haustier, einer Sau, am Bach gelebt, und so nannte man
diesen Ort später "Gre(t)saubach". Auch wenn in der Mitte des
16. Jahrhunderts tatsächlich eine Witwe namens Gret in diesem kleinen
Weiler gelebt hat, so geht diese volkstümliche Deutung doch wohl sicher
an der ursprünglichen Bedeutung vorbei.
Die Vorsilbe "Gre-" war sicher kein Name
und ob der Bestandsteil "sau" ursprünglich ein Haustier
gemeint hat, ist zwar durchaus möglich, aber auch anders denkbar.
Dieses sehr alte Wort könnte auch noch, wie ich nachher zeigen möchte,
auf eine andere Weise gedeutet werden.
Eine andere Deutung der Vorsilbe "Gre-"
schlägt Guido Schmitt in seinem "Beitrag zur Geschichte des Ortes
Gresaubach" vor. er deutet die Vorsilbe "Gre-" als
"grün" und argumentiert so: "Grün heißt heute noch in
der Mundart des Ortes "grein" . .
. Durch Assimilation entstand somit aus "Grein Saubach" "Grei
Saubach" . . . Der Name ist somit als "Grün Saubach" zu
deuten". Ich kann mich dieser Deutung des Ortsnamens als
"Grün-Saubach" nicht anschließen. Die Vorsilbe ist
vermutlich entstanden, um die beiden Orte, die am "Saubach"
liegen, sprachlich auseinander zu halten. Deshalb müsste die Vorsilbe,
meiner Meinung nach, in einer Beziehung zur Vorsilbe des "anderen
Saubachs", also Niedersaubach, stehen. Darauf deuten die Präfixe
"ober- und Gross-" hin. So könnte die Vorsilbe "Gre-"
den größeren Ort, in der Mundart den "greeßeren"
bezeichnen. Durch Übersetzung ins Französische, durch Assimilation und
Verschleifung ist dann im Laufe von Jahrhunderten die Vorsilbe "Gre-"
entstanden. Neue Deutung des Ortsnamen
Neben diesen bisherigen
Deutungen halte ich aber auch noch eine andere Deutung des
Ortsnamens "Gresaubach" für möglich. Es ist ja durchaus
denkbar, dass der kleine Ort seinen Namen nach dem Bach, an dessen Ufer
er entstanden ist, erhalten hat. Somit wäre der Name dieses Baches
vermutlich sehr viel älter als der Ort. Die Deutung des ursprünglichen
Ortsnamens "Subach" steht und fällt mit der Deutung des
Bestimmungswortes "su", das sowohl im Mittel-hoch-deutschen
als auch im Lateinischen "Sau" bedeuten kann. Vielleicht
enthält dieses Wort aber noch eine wesentlich ältere Bedeutung, die
einer späteren Zeit nicht mehr bekannt war. So könnte der Bestandsteil
"su" auch als Verschleifung auf das uralte Wort "sur"
für Quell- und Sumpfwasser zurückgehen. Dieses Wasserwort "sur"
steckt sowohl im "Sauerland", das ein von Natur aus feuchtes
und sumpfiges Gebiet ist als auch im Namen des kleinen Baches
"Sauer".
Der "Su(r)bach" wäre demnach ein Bach,
der durch modriges, sumpfiges und morastiges Gebiet fließt. Für eine
spätere Zeit, die die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes nicht mehr
kannte, könnte dann in einem "volksetymologischen Prozess",
aus diesem inzwischen unbekannten Wasserwort ein allen bekannter
Tiernamen geworden sein. Diese "volksetymologische Deutung"
ist ein Phänomen, das in der Orts- und Flurnamenforschung häufig
auftritt. So könnte auch der saarländische Ort "Hühnerfeld"
seinen Namen einem "volksetymologischen Prozess" zu verdanken
haben. Aus dem prähistorischen Gewässernamen "hune" mit der
Bedeutung "Schmutz, Moder, Sumpf" ist, nachdem dieses uralte
Wort in Vergessenheit geraten ist, ein allen bekannter Tiernamen
geworden. |