Gresaubach

Gresaubach heute

Gresaubach zählt mit seinen rund 1874 Einwohnern zu den größeren Stadtteilen Lebachs. Der Ort war früher landwirtschaftlich geprägt; im übrigen lebten dort überwiegend Berg- und Hüttenarbeiter. Derzeit sind die meisten Menschen aus Gresaubach im Dienstleistungsbereich beschäftigt.

Hervorzuheben ist sicher das rege Vereinsleben. Immerhin decken über 30 Vereine die unterschiedlichsten Bedürfnisse nach Freizeitgestaltung ab. Drei Vereine haben sich über die Stadtgrenzen hinaus einen guten Namen gemacht: der Musikverein, der Sportclub mit seiner Verbandsliga-Fußballmannschaft sowie die Kulturgemeinschaft, die insbesondere durch das alljährliche Erntedankfest von sich reden machte. Das jährliche Erntedankfest wird jetzt von der Vereinsgemeinschaft durchgeführt.

 

Das Gresaubacher Wappen

Das Wappen des Lebacher Stadtteiles Gresaubach berücksichtigt in seinen Bildern landschaftliche und kirchliche Gegebenheiten.

Das Dorf Gresaubach entstand wohl in der zweiten mittelalterlichen Ausbauperiode ab dem achten Jahrhundert, worauf der letzte Namensbestandteil "-bach" hindeutet. Der Name Gresaubach wird als "Große Au am Bach" gedeutet. Diese landschaftliche Lage am Oberlauf des Saubaches, der den Namen der Siedlung ursprünglich bestimmte, wird im Ortswappen durch den Wellenschnitt als Teilungslinie im gevierten Schilde Symbolisiert.

 

Gresaubach gehörte seit der Entwicklung der Territorien im 12. Jahrhundert zu den Besitzungen der Grafen von Blieskastel um den Schaumberg, die sie von den Bischöfen von Verdun zu Lehen trugen. Es handelte sich um die Vogtei über die Abtei Tholey mit ihren 18 Höfen (Bezirke), von denen um 1200 u.a. Bettingen namentlich genannt wird. Nach dem Erlöschen des Blieskasteler Grafengeschlechtes im Mannesstamm 1237 und dem Tode der danach regierenden Gräfin Elisabeth, die mit Rainald von Bitsch, einem jüngeren Bruder des lothringischen Herzogs vermählt war, im Jahre 1274 erhob der Herzog von Lothringen Anspruch auf das Blieskasteler Erbe. Nach dem sich nun anschließenden sogen. Blieskasteler Erbfolgestreit konnte sich der Lothringer herzog beim endgültigen Friedensschluss im Jahre 1291 die Schaumburg und die Vogtei über die Abtei Tholey, aus der sich das Amt Schaumburg entwickelte, sichern.

Gresaubach gehörte nun innerhalb der Meierei Bettingen (mit Außen und Goldbach) bis zum Übergang des Herzogtums an Frankreich im Jahre 1766, also rund 475 Jahre lang, zum lothringischen Amt Schaumburg. Im 16. Jahrhundert sind alle Gresaubacher Einwohner Leute des Herzogs und an diesen abgabepflichtig. Den Großen und Kleinen Zehnten erhalten die Abtei Tholey bzw. die Pfarrkirche in Bettingen. Nur vorübergehend war das lothringsche Amt Schaumburg verpfändet, so von 1588 - 1606 an Kurtrier und von 1615 - 1619 an die Herren von Sötern.

Durch Vertrag von 1786 kommt das Amt Schaumburg, und damit auch die Meierei Bettingen mit Gresaubach, zu Pfalz-Zweibrücken, wo es bis zur Französichen Revolution verblieb. Im Gresaubacher Ortswappen wird die jahrhunderte lange Zugehörigkeit zum Herzogtum Lothringen durch das Lothringer Doppelkreuz, das auch auf den Grenzsteinen zu den benachbarten Territorien angebracht wurde, dargestellt.  

Für die Belieferung der Ende des 16. Jahrhunderts in Dillingen und insbesondere der um 1700 in Bettingen errichteten Eisenschmelzen mit Rohstoffen wurde vorwiegend auf die Toneisensteine im Saubachtale zwischen Gresaubach und Rümmelbach sowie südlich des Greinhofes zurückgegriffen. Das Erz lag in großen Mengen nesterweise zu Tage und wurde vornehmlich von den einheimischen Bauern im regellosen Tagebau abgebaut und mit Fuhrwerken über den heute noch existierenden sogen. Erzweg zu den Eisenschmelzen gefahren.Die damaligen Abbaufelder südlich von Gresaubach sind heute noch in den sogen. "Schotten", auf der Karte als "Alberbach-", "Dörrenbacher-", und "Pfaffenbecher Schütten" bezeichnet, zu sehen. Die Erinnerung an diesen -neben der Landwirtschaft- für Gresaubach doch bedeutenden Wirtschaftszweig bis zur Einführung der lothringischen Minette ist im Wappen durch die Erzgräberwerkzeuge festgehalten.

Erwähenswert ist in diesem Zusammenhang noch, dass es seit 1704 in der Pfarrei Bettingen eine Erzgräber - Bruderschaft gegeben hat, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand.

Auf die für Gresaubach in früherer Zeit dominante Landwirtschaft die den Ort bis in die fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts geprägt hat, weisen die beiden Ähren im Wappen hin.

Der Schäferstab im Wappen steht als Attribut des hl. Wendalinus für dessen Patrozonium über die alte Kapelle in Gresaubach. Gresaubach gehörte bis 1907 als Filiale zur in die Abtei Tholey inkorpierte Pfarrei Bettingen und besass schon sehr früh eine kleine Kapelle, in der die Dorfbewohner im Advent und während der Fastenzeit zu eigenen Andachten zusammenkamen.

Die Kapelle wird erstmals in einem Visitationsbericht vom Jahre 1618 erwähnt, scheint aber in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zerstört worden zu sein, denn am 27. Juli 1735 verkauften sämtliche Einwohner von Gresaubach der Herzogin von Lothringen (Madame la Regant) das Wäldchen Groß-Haüs-gen für 380 Livres, um damit die Kapelle zu reparieren.

Daneben nehmen sie einen Kredit von 50 Solidari bei der Pfarrkirche auf, den sie alle zusammen verbürgen. In den Visitationsprotokollen der Pfarrkirche sind weitere Renovierungen der Kapelle für 1782 und 1836 genannt. Um 1880 erhielt die Kapelle eine neue Glocke und einen Kreuzweg.

Die Kapelle wurde, nachdem im Jahre 1910 die neue Pfarrkirche in Gresaubach erbaut war, abgerissen. Heute erinnert an die rund 400 Jahre lang bestandene St. Wendalinuskapelle in der Pfarrkirche ein Seitenaltar mit einer Figur des Heiligen.

 

Der Name Gresaubach

Aus einer Aufsatzreihe von Stefan Wild, Salzgitter

Der ursprüngliche Ortsnamen

Auch für Ortsnamen gilt, dass sie oft schrittweise gewachsen sind und mit ihrer Wurzeln nicht selten bis ins Mittelalter zurückreichen und mit ihrer Vollendung die Schwelle der Neuzeit berühren. Diese Feststellung trifft natürlich auch für den Ortsnamen "Gresaubach" zu. Auch er hat eine lange Entwicklung durchlaufen und sah zu Beginn der Besiedlung sicher ganz anders aus, als dies heute der Fall ist.

Der ursprüngliche Name des kleinen Weilers wird in der Steuerliste von 1519 mit "Subach" angegeben. So wird dieses kleine Dorf wohl von seinen Anfängen im Hochmittelalter bis ins 16. Jahrhundert geheißen haben. Vielleicht wurde diese neue Siedlung auch nach dem Bach benannt, an dessen Ufer sie entstanden ist.

Erst im 16. Jahrhundert erhielt der Ortsname ein Präfix, das ihn von dem "anderen Saubach", also Niedersaubach unterscheiden sollte. Dabei hat das Präfix "Gre" im heutigen Ortsnamen eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Die Bandbreite dieser Vorsilbe reicht von "Gra-, Ober-, Greun-, Gross-, Greis-, Grün-, bis zu Gressen- oder Greffensaubach".

Das hier Abschreibfehler und Übersetzungen vom Französischen ins Deutsche und umgekehrt eine Rolle gespielt haben, liegt klar auf der Hand. Auch das Bestimmungswort "su" hat sich im Laufe des 16. Jahrhunderts in das Wort "sau" verändert und somit wahrscheinlich auch eine Bedeutungsverschiebung erfahren.

Bisherige Deutungen des Ortsnamen 

Jeder Ortsname fordert eine Deutung des Namens heraus. Auch für "Gresaubach" gibt es sicher mehrere Deutungen. Eine der wohl ältesten wird die volkstümliche Deutung gewesen sein. Ähnlich wie der Name Michelbach volkstümlich so gedeutet wurde, dass sich dort ein Römer namens Michel niedergelassen habe, so lässt sich auch der Name "Gresaubach" volkstümlich deuten.

Demnach hätte eine frühere Einwohnerin namens Gret mit ihrem Haustier, einer Sau, am Bach gelebt, und so nannte man diesen Ort später "Gre(t)saubach". Auch wenn in der Mitte des 16. Jahrhunderts tatsächlich eine Witwe namens Gret in diesem kleinen Weiler gelebt hat, so geht diese volkstümliche Deutung doch wohl sicher an der ursprünglichen Bedeutung vorbei.

Die Vorsilbe "Gre-" war sicher kein Name und ob der Bestandsteil "sau" ursprünglich ein Haustier gemeint hat, ist zwar durchaus möglich, aber auch anders denkbar. Dieses sehr alte Wort könnte auch noch, wie ich nachher zeigen möchte, auf eine andere Weise gedeutet werden.  

Eine andere Deutung der Vorsilbe "Gre-" schlägt Guido Schmitt in seinem "Beitrag zur Geschichte des Ortes Gresaubach" vor. er deutet die Vorsilbe "Gre-" als "grün" und argumentiert so: "Grün heißt heute noch in der Mundart des Ortes "grein" . . .     Durch Assimilation entstand somit aus "Grein Saubach" "Grei Saubach" . . . Der Name ist somit als "Grün Saubach" zu deuten". Ich kann mich dieser Deutung des Ortsnamens als "Grün-Saubach" nicht anschließen. Die Vorsilbe ist vermutlich entstanden, um die beiden Orte, die am "Saubach" liegen, sprachlich auseinander zu halten. Deshalb müsste die Vorsilbe, meiner Meinung nach, in einer Beziehung zur Vorsilbe des "anderen Saubachs", also Niedersaubach, stehen. Darauf deuten die Präfixe "ober- und Gross-" hin. So könnte die Vorsilbe "Gre-" den größeren Ort, in der Mundart den "greeßeren" bezeichnen. Durch Übersetzung ins Französische, durch Assimilation und Verschleifung ist dann im Laufe von Jahrhunderten die Vorsilbe "Gre-" entstanden.            

Neue Deutung des Ortsnamen

Neben diesen bisherigen Deutungen halte ich aber auch noch eine andere  Deutung des Ortsnamens "Gresaubach" für möglich. Es ist ja durchaus denkbar, dass der kleine Ort seinen Namen nach dem Bach, an dessen Ufer er entstanden ist, erhalten hat. Somit wäre der Name dieses Baches vermutlich sehr viel älter als der Ort. Die Deutung des ursprünglichen Ortsnamens "Subach" steht und fällt mit der Deutung des Bestimmungswortes "su", das sowohl im Mittel-hoch-deutschen als auch im Lateinischen "Sau" bedeuten kann. Vielleicht enthält dieses Wort aber noch eine wesentlich ältere Bedeutung, die einer späteren Zeit nicht mehr bekannt war. So könnte der Bestandsteil "su" auch als Verschleifung auf das uralte Wort "sur" für Quell- und Sumpfwasser zurückgehen. Dieses Wasserwort "sur" steckt sowohl im "Sauerland", das ein von Natur aus feuchtes und sumpfiges Gebiet ist als auch im Namen des kleinen Baches "Sauer".

Der "Su(r)bach" wäre demnach ein Bach, der durch modriges, sumpfiges und morastiges Gebiet fließt. Für eine spätere Zeit, die die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes nicht mehr kannte, könnte dann in einem "volksetymologischen Prozess", aus diesem inzwischen unbekannten Wasserwort ein allen bekannter Tiernamen geworden sein. Diese "volksetymologische Deutung" ist ein Phänomen, das in der Orts- und Flurnamenforschung häufig auftritt. So könnte auch der saarländische Ort "Hühnerfeld" seinen Namen einem "volksetymologischen Prozess" zu verdanken haben. Aus dem prähistorischen Gewässernamen "hune" mit der Bedeutung "Schmutz, Moder, Sumpf" ist, nachdem dieses uralte Wort in Vergessenheit geraten ist, ein allen bekannter Tiernamen geworden. 

 

 


 

Musikverein "Harmonie" Gresaubach e.V.  •  Postfach 1313  •  66813 Lebach

Mitglied im Bund Saarländischer Musikvereine